Musikterapie für Mia
Sonntag, 26. Oktober 2014

Mia ist drei Jahre alt und geht seit einigen Wochen tagsüber in die integrative Kindertagesstätte Kinderpropeller.Dort findet sie durch ihr strahlendes Lächeln schnell Kontakt zu den anderen Kindern, ErzieherInnen und HeilpädagogInnen der „Mondgruppe“.


Mia hat eine Stoffwechselerkrankung und leidet im Alltag vor allem unter immer wiederkehrendem Brechreiz und Erbrechen. Ihre Entwicklung war bis zum ersten Lebensjahr unauffällig, seitdem sind sowohl sprachlich als auch motorisch eine Rückentwicklung zu beobachten. Aktuell kann Mia nicht alleine sitzen, ihre Sprache besteht vorwiegend aus ein oder mehrsilbigen Lauten und einigen wenigen Worten. Sie versteht kognitiv alles und reagiert so, dass sie gut zu verstehen ist in dem was sie möchte beziehungsweise nicht möchte.

Zur Musiktherapie kam Mia im ersten Halbjahr 2014 gemeinsam mit ihrer Mutter in die Praxis der Musiktherapeutin Judith Sonntag: Sie strahlt bereits beim Ankommen und nimmt ihr Gegenüber mit ihrem gewinnenden Lächeln und dem Blick aus großen Augen sofort ein. Sofort soll es losgehen, wir beginnen mit einem Begrüßungslied auf der Gitarre – hierzu spielt Mia entweder auf kleinen Rasseln oder sie schlägt mit einer Hand gemeinsam mit mir die Saiten der Gitarre an. Will sie ein bestimmtes Instrument spielen schaut sie in die jeweilige Richtung und sagt „AN“. Hierbei entwickelt sie einen großen Ehrgeiz und nach gelungenem Spiel eine große Freude. Instrumente die lange nachklingen, üben auf sie eine Faszination (z.B. die Chimes, ein Naturklangspiel oder der große Gong). Mia gelingt es mit einigem Kraftaufwand die Instrumente mit den Händen oder Schlägeln anzuschlagen, Pausen zu machen käme ihr in diesen Momenten nicht in den Sinn. Meine Rolle als Musiktherapeutin ist es dabei, sie in ihrem Tun und Handeln zu bestärken, sie zu spiegeln und in einen musikalischen Dialog zu treten. Dies geschieht vornehmlich auf den von ihr gespielten Instrumenten, mit der Stimme und der Gitarre. Mit Kommentaren und Spielvorschlägen, aber auch dem Verbalisieren von Gefühlen nimmt eine Schnecken-Handpuppe Einfluss auf das Geschehen. Überraschend schnell geht eine Musiktherapiestunde mit Mia zu Ende und schon ertönt das Abschlusslied, in dem alles Erlebte noch einmal benannt wird.

Sehr zur Freude von uns allen wird die Musiktherapie nun im Kinderpropeller fortgesetzt. Die Finanzierung ist durch eine Mischkalkulation durch die Kindertagesstätte und Helenes Helfer gesichert. Die bereits bestehende Beziehung zwischen Mia und Judith bietet eine sichere Grundlage für den therapeutischen Prozess, der nun in neuen Räumlichkeiten und mit anderem Instrumentarium stattfindet. Inmitten des Kita-Alltags findet Mia nun einmal wöchentlich in der Musiktherapie Zeit, sich mit Klängen verwöhnen zu lassen, ihre Eigenständigkeit im musikalischen Handeln zu erleben und eigene Ressourcen zu stärken. Es ist toll zu sehen, wie Mia sich im Kreis der anderen Kinder wohlfühlt und in deren Spiel eingebunden ist. Die Musiktherapie läuft in einer solch großen Selbstverständlichkeit in der Kita weiter, was alle Beteiligten sehr freut. Diese Therapieform ist hier neu hinzugekommen und es entstand durch Mia eine neue Kooperation zwischen der Therapeutin Judith Sonntag, der Institution Kita Kinderpropeller und Helenes Helfern. Das Kennenlernen der anderen Therapeutinnen (Logo, Physio, Ergo) und mit Blick auf das entsprechende Kind die eigenen therapeutischen Prozesse zu beleuchten und sich im Team auszutauschen, bereichert mich und sicher auch den musiktherapeutischen Verlauf, und somit Mia ungemein. Mia probiert mit meiner Unterstützung immer wieder neue Dinge aus, so wird das Liedrepertoire um „Zeigt her eure Füße, zeigt her eure Schuh“ erweitert und Mia spielt nun mit Händen und Füßen mit. Als bekannt wurde, dass die Familie nach Hessen umzieht, merke ich an Mia und auch an mir zwei Gefühlsregungen: eine große Traurigkeit, dass wir uns hier verabschieden müssen und eine große Freude, dass nun die Kernfamilie nach einem Arbeitsplatzwechsel des Vaters wieder zusammen wohnt und zudem die weitläufigere Verwandtschaft auch in der Nähe ist. Liebe Mia, wir sagen Tschüss – mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Alle guten Wünsche für Dich und deine Familie wünscht Dir Judith.

Januar – Mai 2014: zehn Sitzungen in der Praxis für Musiktherapie Alte Wache Juni

Oktober 2014: fünfzehn Sitzungen in der Kita Kinderpropeller Kontakt über Frau Jahnke-Bauch, deren ambulanter Kinderkrankenpflegedienst Mia betreut.