Musiktherapie für Amelie

Amelie musiziert Dank „Helenes Helfern“ seit dem Herbst 2011 mit Roland. Amelie ist fünf Jahre alt und lebt mit Eltern und den drei Geschwistern in Berlin. An ihrem 4. Geburtstag erkrankte sie aus völliger Gesundheit an einer vermutlich viral bedingten Entzündung des Hirnstamms und des angrenzenden Rückenmarkes. Glücklicherweise überlebte sie die kritische Phase dieser Erkrankung, ist aber seitdem weitgehend gelähmt. Da auch die Atemmuskulatur betroffen ist, wird Amelie mit einem kleinen transportablen Heimbeatmungsgerät über eine Kanüle in ihrer Luftröhre beatmet.

Nach dem akuten Ereignis waren langwierige Klinikaufenthalte in speziellen Einrichtungen nötig, die sehr weit vom Heimatort entfernt lagen und die Familie war beinah ein Jahr lang getrennt. Besonders für die beiden älteren Geschwister, die mit dem Vater in Berlin blieben, war das eine schwere Zeit. Im August 2011 konnte Amelie nach Hause zurückkehren. Alle Familienmitglieder brauchten Zeit, sich an das neue Leben zu gewöhnen: die ständige Gegenwart einer Krankenschwester, die Amelies gestörte Atemtätigkeit überwacht, die kleine Intensivstation mitten im Kinderzimmer und den unglaublichen Aufwand, der nötig ist, damit Amelie in ihrem Kindergarten pünktlich zum Morgenkreis kommt.

Die Geschwister verarbeiten das Geschehen auf ihre Weise – es gibt kaum noch ein Kuscheltier ohne „Beatmung“ und keine Barbi ohne PEG (Magensonde). Trotz der schweren Erkrankung, ist Amelie ein aufgewecktes und unternehmungslustiges Mädchen, das „Rosa mit Glitzer“ über alles liebt sich auf ihre Einschulung im Sommer freut.

Rolands Besuche werden immer sehnsüchtig erwartet und es gilt zunächst, den Geschwistern klar zu machen, wessen Besuch da gekommen ist. In der Schlussrunde werden Zuhörer und Mitsänger dann aber meist huldvoll geduldet. Man muss sagen, dass die beiden eher die lauten Töne lieben. Die selbstverfassten Texte sind zuweilen nicht ganz stubenrein, aber immer aktuell. „Das Lied für die Elise“, das auf diese Weise entstanden ist (Amelies Beatmungsgerät heißt Elisée), hat das Zeug die Hymne aller Kinder zu werden, die zu Hause beatmet werden. Egal in welcher Stimmung Amelie ist, gibt ihr die Musiktherapie die Möglichkeit, sich auszudrücken und ihre oft extremen Erfahrungen auf kreative Weise verarbeiten zu können.

Nach einer eingreifenden Operation an der Wirbelsäule, die Anfang April im Altonaer Kinderkrankenhaus durchgeführt worden ist, muss sich Amelie gerade zum ersten Mal in ihrem Leben mit heftigen Schmerzerfahrungen auseinandersetzen. Sicher wird auch daraus ein Lied entstehen.

Wir möchten uns auf diesem Weg ganz herzlich bei „Helenes Helfern“ bedanken!

Update Dezember 2012

Amelie hat eine schwere Zeit überstanden und ist gut in der neuen Entwicklungsstufe - Schule - angekommen. Viele andere Therapieformen (darunter auch von den Kassen zu finazierende) können ihr bei der Konflikt- und Erlebnisverarbeitung helfen. Aus diesem Grund haben wir uns in Gesprächen mit der Familie und unserem Therapeuten dafür entschieden, die Musiktherapie langsam zu beenden. Wir wünschen Amelie und ihrer Familie weiterhin alles Gute und viel Kraft für ihren weiteren Weg!