Projekte Musiktherapien Berlin
Musiktherapien in Berlin

Seit Ende 2010 unterstützen wir mithilfe unseres Musiktherapeuten Roland in Berlin und Umgebung verschiedene Kinder mittels einer Musiktherapie. Je nach Bedarf findet diese Therapie in der häuslichen Umgebung und gern auch unter Einbezug der ganzen Familie statt. Eine Besonderheit ist unser Einsatz in der Kinderwohngemeinschaft "Max und Moritz" in Berlin seit Herbst 2017. Dort leben schwerst mehrfach behinderte Kinder, die intensivpflegerisch 24 Stunden am Tag betreut werden. Dorthin fährt unser Musiktherapeut wöchentlich, um den Kindern die Musiktherapie zu ermöglichen.

Ein Auszug aus Rolands Therapiebericht von Oktober 2019:

"Wenn es allen gut geht, nehmen alle Kinder der Wohngemeinschaft "Max und Moritz" an der schönen großen Runde teil. Das ist ein tolles Gruppenerleben für jeden einzelnen. Im Einzelkontakt nach der Gruppenmusik können wir dann noch ganz gezielt und ganz individuell auf jedes Kind besonders eingehen. Gerade die jüngsten in der Wohngemeinschaft benötigen oftmals ganz leise Töne und vorsichtige basale körperliche Stimulationen, von denen sie sich ganz direkt gemeint fühlen.

Andreas (Name geändert) hingegen, ein großer Junge mit Witz und Humor, liebt mehr die deftigen Lieder und musikalischen Spiele. Manchmal muss er so lachen, dass wir schon Angst haben, er verausgabt sich zu sehr. Aber das ist nur unsere Angst. Er selbst macht sich darüber gar keine Sorgen! Er liebt diese Abwechslung.

Und Philipp (Name geändert) ist der Trommler in der Runde. Ein richtiger Profi eben. Man gibt ihm ein Perkussionsinstrument in die Hand und er spielt es. Dabei bleibt er erstaunlich sicher im Metrum. Den Applaus von uns allen, die wir ihm zuhören, genießt er sehr.

Wenn es dann ganz still wird, zum Beispiel zwischen einem Lied und dem nächsten, setzt Maja (Name geändert) oft mit ihrem Gesang ein. Es ist ein wunderbares sonores und klares Gurgeln mit treffsicherer Intonation. Wenn wir Maja applaudieren, scheint sie ganz verwundert zu sein, denn sie macht doch etwas ganz Normales und für sie Angenehmes.

Paula (Name geändert) hat sich in ihrem Zustand wieder stabilisiert. Wir freuen uns sehr, dass sie die Anwesenheit der Gruppe und die Musik genießen kann.

Leo und Emil (Namen geändert) haben uns ihr Geheimnis noch nicht verraten. Sie sind da, aber sie offenbaren uns noch nicht, was sie erleben und fühlen. Und das darf auch so sein. Sie bestimmen selbst den Moment von dem an sie in den Kontakt mit der Welt treten. Wir müssen uns in Geduld üben. Aber wir werden nicht müde, Ihnen eine Tür zu öffnen. Mittwochs vormittags ist es eine musikalische Tür.

Die kleine Luise (Name geändert) bekommt weiterhin Musiktherapie zu Hause. Sie wartet schon immer gespannt auf die mitgebrachten Instrumente und die Lieder. Ihr Lieblingslied ist: Fuchs du hast die Gans gestohlen. Aus diesem Lied entwickelt sich oftmals ein szenisches Spiel, in dem sie die Rolle des Jägers spielt, der ein großes Gewehr, nämlich die Trommel, trägt. Der Fuchs hat große Angst vor Luise und hat beschlossen, Vegetarier zu werden und die Gänse in Frieden zu lassen. Leider konnte er seinen Vorsatz noch nicht zuverlässig in die Tat umsetzen. Es ist ganz erstaunlich, mit welcher Ausdauer Luise spielen und musizieren kann. Luise ist ein menschliches Wunder, wie auch alle anderen Kinder, von denen wir berichtet haben!

Im letzten Vierteljahr sind alle Kinder durchgehend körperlich und emotional relativ stabil geblieben, was uns riesig freut. Wir danken den wunderbaren und einfühlsamen Pflegerinnen und Pflegern für Ihre gute Arbeit. Und wir danken allen Unterstützerinnen und Unterstützern des Vereins Helenes Helfer, dass unsere musikalische Arbeit für diese Kinder fortgeführt werden kann!"

 

Rolands Therapiebericht von September 2018:

"Der kleine Jonas (Name geändert) hat keine Atmung. Wenn er die Klänge der Trommel hört und die Töne der Gitarre, entspannt er sich. Das Besondere ist: Jonas fühlt sich dann so wohl, dass man Impulse zum Lufthüllen spüren kann, die Lust zum eigenen Atmen. Noch vor ein paar Wochen geriet er nach wenigen Minuten in Stress und brauchte die Ruhe seines Zimmers. Jetzt genießt er das wunderbar laute und leise Treiben der Musik. Jonas ist ein kleines Wunder. Er sieht nicht, er atmet nicht selbständig, er kann sich nicht selbständig bewegen. Und doch spürt man - wenn er so ruhig auf seinem Bett liegt, eine Hand auf seinen Stoffelefanten gelagert, die andere auf seinem Bären - den Unterschied zwischen einem Moment, wenn er schläft und einem, in dem er zuhört, die Klänge und den Rhythmus wahrnimmt. Auch die Apparate bestätigen das, Musik macht Jonas ein gutes Gefühl, beruhigt ihn, seine Herzfrequenz befindet sich in einem entspannten Bereich, wenn die Gitarre spielt und er im Rhythmus dazu bewegt wird."

Zusätzlich erhält Luise (Name geändert) wöchentliche Musiktherapie mit Roland bei sich zu Hause. Dort wird sie von ihrer Familie versorgt. Roland berichtet im September 2018: "Das Jahr 2018 war ein Auf und Ab - zwischen Angst und Freude. Dieser kleine Sonnenschein mit dem unglaublichen Lebenswillen erlitt in diesem Jahr zwei kleine Schlaganfälle. Aber sie rappelt sich immer wieder auf. Ihre Stärke wächst jeden Tag und lässt sogar ihre Ängste vor Tieren und Menschen verschwinden. Sie ist stolz, weil sie es geschafft hat, schon zweimal zu reiten. Sie bezeichnet jeden Besucher als Freund und schafft nach 4,5 Jahren die ärztliche Untersuchung ohne Tränen. Sie trotzt allen ärztlichen Vorhersagen und geht einfach ihren eigenen Weg. So auch in der Musik. Am liebsten spielt sie das musikalische Stopp-Spiel. Auf ein Zeichen von ihr lässt jeder sofort sein Instrument verstummen. Auf ein anderes Zeichen setzen alle dann gemeinsam wieder ein. Die Musiktherapie ist ein fester und wichtiger Bestandteil ihres außergewöhnlichen Lebens geworden."


Informationen zu den abgeschlossenen Therapien finden sich unter den folgenden Links: