Musiktherapie für Ben

Der 2005 in Berlin geborene Ben erlitt im Alter von 2 Jahren einen Ertrinkungsunfall und ist seitdem ein Wachkomakind mit Sauerstoffbedarf und stark epileptischen Anfällen. Er stabilisierte sich zunächst gut, kämpft je doch mittlerweile zunehmend mit Lungenentzündungen, sein Allgemeinzustand verschlechtert sich zusehends.

Ben wird täglich 16 Stunden im Früh- und Spätdienst durch den Intensivpflegedienst Kleine Strolche versorgt. Krankenschwestern begleiten ihn in die Kita und im Alltag - vom Shoppen mit Mama bis zum Besuch des Weihnachtsmarktes ist alles dabei.

Ben konnte mit Musik bereits gute Erfahrungen sammeln, wir wünschen uns, ihm durch diese Therapie schöne Moment schenken zu können.

Die Musiktherapie für Ben begann Ende Dezember 2010 durch unseren Musiktherapeuten. Wir werden an dieser Stelle über den Verlauf der Therapie berichten.

Update 07. Mai 2011 von unserem Musiktherapeuten:

"Ben hatte im April 2007 einen schweren Ertrinkungsunfall. Beim Versuch die Blumen zu gießen, fiel er in einen Pool. Der Notarzt konnte Ben erfolgreich reanimieren. Auf der Intensivstation rangen Ärzte und Schwestern weiter um sein Leben. Nach 12 Stunden schlug er das erste Mal seine Augen auf und die Organe übernahmen mehr und mehr ihre Funktionen. I

m März diesen Jahres war Ben erneut in tödlicher Gefahr. Er hatte eine schwere Lungenentzündung infolge einer Aspiration. Ein fastgroßer eitriger Abszess hatte sich im rechten Lungenflügel gebildet und wurde in zwei zweieinhalbstündigen Eingriffen entfernt.

Musiktherapie hatte Ben auch auf der Intensivstation. Das Personal war sehr tolerant. Faszinierend zu erleben, wie sich Bens Pulsfrequenz von etwa 140 durch die Musik auf 90 Schläge pro Minute regulierte. Ben liebt das musikalische Angebot sichtlich. Er lächelt oft schon nach kurzer Zeit. Sein Anfangslied ist “Die Affen rasen durch den Wald” und am Schluss gibt es “Hänsel und Gretel”. Beide Lieder kennt er gut aus der Zeit vor seinem Unfall. Ben lautiert auch gerne. Manchmal scheint es, als singe er mit seinen unverwechselbaren Gurgellauten die zweite Stimme. Ganz besonders glücklich sind wir, wenn sich bei Ben für kurze Momente eine musikalische Interaktion andeutet. Dann scheint er ganz bei uns zu sein, als würde er rufen: “Wollen wir spielen?”.

Bens Familie ist sehr froh, dass der musikalische Zugang bei ihrem Jungen so gut gelingt. Sie bedanken sich herzlichst für das Ermöglichen der Musiktherapie."

Update Oktober 2011 von unserem Musiktherapeuten:

"Ben hat in den vergangenen Monaten einiges überstehen müssen. Das größte Problem ist die unzureichende Funktion seiner Lunge. Gerade einigermaßen erholt von der letzten großen Operation wird er wegen einer Lungenentzündung wieder mit Antibiotika behandelt. Tägliche Beatmung und das Atemtraining sind für ihn enorm wichtig. Dennoch konnte Ben wöchentlich Musiktherapie bekommen. Die Singstimme, der Klang der Gitarre und seit neuestem auch das Monochord sind ihm vertraute Gefährten im Überlebenskampf geworden. Ben kann sich stimmlich entäußern. Wenn er mich bemerkt, scheint es, als versuche er schnell Kontakt mit mir aufzunehmen. Er lässt dann Laute hören, die zu sagen scheinen: „He, geh‘ nicht gleich wieder weg. Sprich mit mir!“ Es ist immer wieder schön zu erleben, wie durch den Einfluss der musikalischen Beziehung die Spastik zeitweise nachlässt und Ben Glücksmomente erlebt. Darüber sind wir alle sehr froh und dankbar."

Update Januar 2012

Die Musiktherapie für Ben verläuft sehr erfolgreich und wurde von uns daher um weitere sechs Monate verlängert. Der Musiktherapeut berichtete im November:

"Ich war zwischenzeitlich ganz verzweifelt, weil seine Atemwegsinfektionen zuzunehmen zu schienen. Sein armer kleiner Oberkörper hat jetzt eine weitere Einpflanzung (ich weiss nicht wie es heisst - es ist ein unter der Haut befindlicher Venenzugang, da seine Venen nicht mehr zuverlässig für Transfusionen etc. funktionieren). Ausserdem hatte er ja schon die Magensonde und die Schmerzmittelpumpe. Er war auch weniger durch die musikalische Ansprache zu erreichen. Jetzt letzte Woche Mittwoch - da war er wieder der alte. Wir konnten zusammen "singen" und er war ganz aufmerksam und fröhlich in der Interaktion. Bens Mutter erwartet Zwillinge. Ein Pärchen. Bens tägliche auswärtige Beschulung wurde abgebrochen. Es bedeutete zu viel Stress für ihn und war seiner Gesundheit letztlich abträglich. Er wird nun immer freitags für eine Stunde zu Hause "beschult". Mir ist Ben sehr ans Herz gewachsen und er hat (neben der Aktivierung der Kinderkrankenschwestern, die alle sehr gute und liebevolle Arbeit machen) keine mit der Musiktherapie vergleichbare Therapie. Diese Therapieform ist für Ben sehr wichtig, weil er über die speziell dargebotenen auditiven Reize, verbunden und abgestimmt mit basaler Stimulation am besten mit seiner Außenwelt in Kontakt treten kann. Das bestetigen mir immer wieder die Krankenschwestern und auch die Mutter. Es wäre sehr wichtig, Ben weitere sechs Monate Musiktherapie durch Helenes Helfer zu ermöglichen."